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Neue absurde Sparidee

Im Kanton Luzern sucht das Parlament krampfhaft nach Sparmöglichkeiten. Am Montag, 7. Dezember, geht die Budgetdebatte in die zweite Runde. Damit die Schuldenbremse eingehalten werden kann, müssen noch Leistungen im Umfang von 2,5 Millionen Franken gekürzt werden. Bereits abgesegnet sind Massnahmen wie diese:

  • Eine Woche Zwangsferien an Berufsschulen und Gymnasien
  • Kürzung des Kantonsbeitrags für die individuelle Prämienverbilligung
  • Weniger Gelder für soziale Einrichtungen
  • Weniger Gelder für die Denkmalpflege
  • (…)

Zum Teil sind die Ideen einfach nur lächerlich (Zwangsferien), zum Teil geradezu hinterhältig  (Prämienverbilligung, soziale Einrichtungen). Letztere treffen die Schwächsten, Menschen ohne starke Lobby im Rücken.

Damit die armen Damen und Herren Kantonsräte am Montag nicht zu lange grübeln müssen, wo sich noch Kosten drücken lassen, liefern wir hier – gratis, wir wollen ja nicht so sein – eine weitere absurde Sparidee: Polizisten durch Dackel ersetzen. Das funktioniert einwandfrei, wie dieses Video beweist.

PS: Ein Tipp mit deutlich grösserer Nachhaltigkeit: Steuern erhöhen.

Remarque und Estermann

Drei Wochen sind seit seiner Verehelichung verstrichen. In der Zwischenzeit hat Herr Koller für verschiedene Auftraggeber einiges geschrieben, ein Podium moderiert und sein Diplom als Master of Arts entgegengenommen (Prädikat: Insigni cum laude). Daneben hat er auch noch ein bisschen gelesen.

Aus Anlass des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat er sich endlich Erich Maria Remarques Klassiker «Im Westen nichts Neues» zu Gemüte geführt. Diesen bedrückenden Antikriegsroman, der so schnörkellos vorführt, wie noch halbe Kinder der Kriegsmaschinerie vorgeführt werden; wie sie zu Krüppeln werden – physisch genauso wie psychisch, wie sie sterben. Wer das Buch noch nicht kennt, dem sei es wärmstens empfohlen.

Yvette EstermannOb sich dies auch über die zweite aktuelle Lektüre  Kollers sagen lässt, sei dahingestellt: «Erfrischend Anders» der Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Mit Verlaub, dieses Buch in einem Atemzug mit einem Remarque zu nennen, ist geradezu eine Frechheit. Doch diesen Anspruch wollen wir Estermann auch nicht unterstellen. Vielmehr will die Nationalrätin einen «tiefen Einblick in ihre spirituell-philosophischen Motive und politischen Überzeugungen» verschaffen – so verspricht es der Klappentext. Herr Koller hat das Buch noch nicht gelesen, und er wird es mit deutlich weniger Innbrunst tun, als bei Remarque. Aber was bleibt ihm übrig? Als frischdiplomierter Osteuropa-Experte und langjähriger Politberichterstatter im Kanton Luzern ist es für ihn ja geradezu Pflicht, das Werk der in der Slowakei geborenen Innerschweizer Patriotin zu analysieren.

Ob er hier nach Ende der Lektüre eine Rezension nachreicht, lässt er offen. Nur so viel ist jetzt schon klar: Von Remarques Buch wird man auch in 20 Jahren noch sprechen, von Estermanns wohl kaum.

Estermann, Yvette: Erfrischend Anders. Orell Füssli. 2014. 224 Seiten.
Remarque, Erich Maria: Im Westen Nichts Neues. Kiepenheuer & Witsch. 2013. 360 Seiten.

Viel zu tief

Schon wieder eine «Carte Blanche». Dieses Mal hat David Koller seine Liebe zur Luftfahrt – eine Charakterschwäche, die er partout nicht auswachsen will* – mit seiner Tätigkeit als Politberichterstatter kombiniert.

Journalistische Bruchlandungen

Als diesen Juli eine koreanische Boeing bei der Landung in San Francisco verunglückte, leistete sich ein amerikanischer TV-Sender einen üblen Schnitzer. Im Rennen um die aktuellsten Infos nannte er die vermeintlichen Namen der Piloten: Sum Ting Wong, Wi Tu Lo, Ho Lee Fuk und Bang Ding Ow. Was im ersten Moment asiatisch klingen mochte, entpuppte sich als übler Scherz. Denn statt um Namen handelte es sich um die Verballhornung der englischen Ausrufe «something wrong», «we too low», «holy» – ergänzt mit dem F-Wort, das die puritanischen US-Fernsehsender jeweils mit einem Piepston überlegen – und «bang, ding, ow». Auf Deutsch: «Hier stimmt was nicht», «wir (sind) zu tief», «heilige Scheisse», «bumm, krach, autsch.»

Hoo Lee fuk

Selber schrammte ich jüngst zweimal an ähnlichen journalistischen Bruchlandungen vorbei; in Artikeln über das derzeitige Haupttraktandum der politischen Agenda Luzerns – die betrübliche Finanzlage. Aus unerfindlichen Gründen tendiere ich dazu, Senkung mit Erhöhung zu verwechseln. So titelte ich vor zwei Monaten: «Gretchenfrage Steuersenkung». Diesen Lapsus zog ich im Text konsequent durch. Trotz mehrfachem Durchlesen fiel er mir nicht auf. Erst mein Chef konnte in der Schlusskontrolle einen Durchstart einleiten und den Gau abwenden. Ho Lee Fuk!

Sum Ting Wong! Wieso mein Unterbewusstsein immerzu von Steuersenkung statt -erhöhung berichten will, bleibt mir ein Rätsel. Um einen Freud’schen Verschreiber kann es sich nicht handeln. Denn als Spross eines CVP-Hauses wurde mir nicht eben überschäumende Liebe für den Liberalismus in die Wiege gelegt. Die Antipathie ist geblieben, obwohl ich mich politisch längst emanzipiert habe und auf mich gemünzt das Vorurteil nicht ganz in Abrede stellen kann, Journalisten würden eher nach links steuern – ausser natürlich die strammen Mannen von Captain Köppels «Weltwoche». Am letzten Freitag rasselte ich erneut fast in die Falle. Um ein Haar hätte ich der Luzerner SP den Wunsch nach tieferen Steuern unterstellt. Bang Ding Ow! Immerhin habe ich den Lapsus dieses Mal selbst bemerkt. Für den Fall, dass ich dereinst dennoch reinfliegen sollte und in der kantonalen Fiskalpolitik von Beibehalten statt Kurswechsel schreibe, halte ich hier schon mal prophylaktisch fest: Wi tu Lo!

Willisauer Bote (WB), 25. Oktober 2013
© David Koller, 2013

* Mehr über Kollers Technik-Fimmel gibt es hier.

Ode an ein Stück Altmetall

Bis zum bitteren Ende hat David Koller gedient. Sich fürs Militär zu entscheiden und den Mist dann auch noch bis am Schluss durchzuziehen, war wohl der grösste Fehler seines Lebens. Immerhin hat er in der Rekrutenschule gelernt, Schuhe zu putzen. Es sei dies das einzige brauchbare Überbleibsel aus dem Militär, betont Kollers Mutter.

Dem ist so. Es gibt jedoch noch etwas anderes Sinnvolles aus der Schweizer Armee. Die alten schwarzen Drahtesel. Einen solchen besitzt David Koller seit Jahren. Für den Blog seines Freundes und Ex-Chefs, Velofahrer Dominik Thali, hat er eine Ode darüber verfasst.

Wie angekündigt nun auch noch die Veröffentlichung auf igosana.ch

Alte Liebe rostet ein bisschen

Es war im April 2006. Seinerzeit war der Verfasser dieser Zeilen noch ein junger Wilder, stand im Sold des «Seetaler Boten» und somit unter Knute seines damaligen Lehrmeisters, des Velofahrers. Weiland lebte der junge Wilde in Luzern. Täglich hatte er auf dem Weg zum Bahnhof eine steile Abfahrt zu meisten, mit dem Fahrrad versteht sich.

An jenem schicksalshaften Montagmorgen war es noch etwas gar früh, der Schreiber nicht eben wach. Just am Ende der steilen Abfahrt stoppte ein Autofahrer unverhofft. Ein Bremsmanöver war nicht sehr erfolgsversprechend, denn das junge Textverarbeitungssystem war mit Rosty unterwegs, seinem alten Militärgöppel. Dessen Bremskraft hält sich insbesondere bei Regen doch eher in Grenzen. Folglich blieb kein anderer Ausweg, als aufs Trottoir.

Trotz geschätzten 40 Sachen gelang es immerhin, den Lenker etwas anzuheben. Der Schlag auf die Vorderfelge war dennoch erheblich. Rosty nahm es ohne Murren hin. Kein Plattfuss, kein verformtes Rad. Dank einigermassen vorhandenen Fahrkünsten des Pedaleurs kam es auch zu keinem Sturz – vor allem aber dank einer gehörigen Portion Glück. Gar den Zug ins Seetal erreichte der leicht Geschockte noch.

Undefinierbaren Alters und trotz leichter Korrosion am Rahmen unkaputtbar: Rosty, der alte Soldat von Ex-Soldat Koller. (Foto David Koller)

Spätestens damals schwor der junge Herr Koller dem alten Drahtesel ewige Treue. Wer so hart im Nehmen ist, den muss man lieben. So ist es bis heute. Seit mehr als zwölf Jahren leistet das betagte, aber umweltfreundliche Kampffahrzeug unentbehrliche Dienste.

Wie viele Jahre Rosty auf seinem stählernen Buckel hat, weiss niemand genau. Denn die Geschichte der Besitznahme ist diffus. Der Erzeuger des Schreibers brachte die schwarze Perle eines Tages aus Luzern nach Hause. Sie habe ein halbes Jahr lang im Vögeligärtli unter einem Haufen herrenloser Drahtesel gelegen, rechtfertige er den nicht ganz legalen Erwerb. Der alte Koller hatte sich des alten Soldaten erbarmt.

Lediglich ein Aufpumpen der Pneus war notwendig. Indes hat die Lagerung im innerstädtischen Velofriedhof dem Lack etwas zugesetzt – daher der Name. Doch wer wirklich verliebt ist, übersieht solche Oberflächlichkeiten. Was zählt, sind die inneren Werte. Dennoch, ein bisschen pimp my rost musste sein. So wurde die offenbar unkapputbare Mühle vor Jahren mit einem Seitenständer getunt, und mit Leuchten im Rad. Damit sie noch unzählige Kilometer und viele harte Schläge auf sich nehmen kann.

Inneres Feuer des Widerstandes

Im Rahmen der Recherche für einen Artikel zum 20-jährigen Bestehen der SVP Luzern sind wir in der Festschrift der Partei auf eine Stilblüte gestossen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Es geht um die Zeit, als die Gründung in Angriff genommen wurde:

«Im Zuge der anstehenden EWR-Abstimmung, die auch im luzernischen bei zahllosen vaterlandstreuen Bürgern das innere Feuer des Widerstandes entfachte, bahnte sich ein mittleres politisches Erdbeben an.»

Grossartig! Solche pathosgeschwängerten Sätze sind Selbstläufer. Man braucht sie schlicht nur zu zitierten, ein Kommentar erübrigt sich.

Besagtes inneres Feuer brennt bis heute, die Hitzköpfe haben noch immer keine Ruhe gegeben. Rüstet sie mit Hellebraden aus und sie ziehen los, um es denen in Brüssel ein für alle Mal zu zeigen.