Bilder, die wir uns wünschten

Vladimir Putin ist super, ein echter Kerl, ein – wie die Luzerner zu sagen pflegen – Sebesiech oder wie die Russen, ein Molodez. So zumindest versucht es uns die gut geschmierte Propaganda-Maschinerie des Kremls weiszumachen.

Wir finden: Da geht noch viel mehr! Deswegen wünschen wir uns mehr solche Bilder:

Wir schmachten: Was für ein Mann, Russlands neuer alter Präsident!

PS: Der hier ist übrigens auch nicht schlecht – und der Wortlaut zeigt, dass uns das Thema schon länger beschäftigt: Putin und der Bär

Rück- und Ausblick

Was uns von 2017 in Erinnerung bleibt:
  • COVFEFE
  • Putin machts nochmal / Erdogan dreht komplett durch
  • Haargel und Ohren in Österreich
  • Im Kanton Luzern will die Bevölkerung gleichzeitig die Steuern nicht erhöhen und die Musikschulbeiträge nicht anheben – sparen kann man ja in der Verwaltung und bei den Asylsuchenden
  • Die herrlichen Aphorismen von Joel, dem Bachelor von 3+
Was wir uns für 2018 wünschen:
  • Weniger Erfolg den Populisten
  • Dass sich das Schweizer Volk bei der No-Billag-Initiative nicht – einmal mehr – vom Egoismus treiben lässt («Juhui, ich kann 451 Franken sparen und erst noch den eingebildeten Fernseh-Fritzen ans Bein pinkeln»)
  • Mehr Vertrauen in den Staat
  • Medienhäuser, denen Qualität wichtiger ist als Gewinnoptimierung
  • Noch mehr erfrischende Mikrobrauereien mit guten dunklen Bieren

Neue absurde Sparidee

Im Kanton Luzern sucht das Parlament krampfhaft nach Sparmöglichkeiten. Am Montag, 7. Dezember, geht die Budgetdebatte in die zweite Runde. Damit die Schuldenbremse eingehalten werden kann, müssen noch Leistungen im Umfang von 2,5 Millionen Franken gekürzt werden. Bereits abgesegnet sind Massnahmen wie diese:

  • Eine Woche Zwangsferien an Berufsschulen und Gymnasien
  • Kürzung des Kantonsbeitrags für die individuelle Prämienverbilligung
  • Weniger Gelder für soziale Einrichtungen
  • Weniger Gelder für die Denkmalpflege
  • (…)

Zum Teil sind die Ideen einfach nur lächerlich (Zwangsferien), zum Teil geradezu hinterhältig  (Prämienverbilligung, soziale Einrichtungen). Letztere treffen die Schwächsten, Menschen ohne starke Lobby im Rücken.

Damit die armen Damen und Herren Kantonsräte am Montag nicht zu lange grübeln müssen, wo sich noch Kosten drücken lassen, liefern wir hier – gratis, wir wollen ja nicht so sein – eine weitere absurde Sparidee: Polizisten durch Dackel ersetzen. Das funktioniert einwandfrei, wie dieses Video beweist.

PS: Ein Tipp mit deutlich grösserer Nachhaltigkeit: Steuern erhöhen.

Remarque und Estermann

Drei Wochen sind seit seiner Verehelichung verstrichen. In der Zwischenzeit hat Herr Koller für verschiedene Auftraggeber einiges geschrieben, ein Podium moderiert und sein Diplom als Master of Arts entgegengenommen (Prädikat: Insigni cum laude). Daneben hat er auch noch ein bisschen gelesen.

Aus Anlass des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat er sich endlich Erich Maria Remarques Klassiker «Im Westen nichts Neues» zu Gemüte geführt. Diesen bedrückenden Antikriegsroman, der so schnörkellos vorführt, wie noch halbe Kinder der Kriegsmaschinerie vorgeführt werden; wie sie zu Krüppeln werden – physisch genauso wie psychisch, wie sie sterben. Wer das Buch noch nicht kennt, dem sei es wärmstens empfohlen.

Yvette EstermannOb sich dies auch über die zweite aktuelle Lektüre  Kollers sagen lässt, sei dahingestellt: «Erfrischend Anders» der Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Mit Verlaub, dieses Buch in einem Atemzug mit einem Remarque zu nennen, ist geradezu eine Frechheit. Doch diesen Anspruch wollen wir Estermann auch nicht unterstellen. Vielmehr will die Nationalrätin einen «tiefen Einblick in ihre spirituell-philosophischen Motive und politischen Überzeugungen» verschaffen – so verspricht es der Klappentext. Herr Koller hat das Buch noch nicht gelesen, und er wird es mit deutlich weniger Innbrunst tun, als bei Remarque. Aber was bleibt ihm übrig? Als frischdiplomierter Osteuropa-Experte und langjähriger Politberichterstatter im Kanton Luzern ist es für ihn ja geradezu Pflicht, das Werk der in der Slowakei geborenen Innerschweizer Patriotin zu analysieren.

Ob er hier nach Ende der Lektüre eine Rezension nachreicht, lässt er offen. Nur so viel ist jetzt schon klar: Von Remarques Buch wird man auch in 20 Jahren noch sprechen, von Estermanns wohl kaum.

Estermann, Yvette: Erfrischend Anders. Orell Füssli. 2014. 224 Seiten.
Remarque, Erich Maria: Im Westen Nichts Neues. Kiepenheuer & Witsch. 2013. 360 Seiten.

Viel zu tief

Schon wieder eine «Carte Blanche». Dieses Mal hat David Koller seine Liebe zur Luftfahrt – eine Charakterschwäche, die er partout nicht auswachsen will* – mit seiner Tätigkeit als Politberichterstatter kombiniert.

Journalistische Bruchlandungen

Als diesen Juli eine koreanische Boeing bei der Landung in San Francisco verunglückte, leistete sich ein amerikanischer TV-Sender einen üblen Schnitzer. Im Rennen um die aktuellsten Infos nannte er die vermeintlichen Namen der Piloten: Sum Ting Wong, Wi Tu Lo, Ho Lee Fuk und Bang Ding Ow. Was im ersten Moment asiatisch klingen mochte, entpuppte sich als übler Scherz. Denn statt um Namen handelte es sich um die Verballhornung der englischen Ausrufe «something wrong», «we too low», «holy» – ergänzt mit dem F-Wort, das die puritanischen US-Fernsehsender jeweils mit einem Piepston überlegen – und «bang, ding, ow». Auf Deutsch: «Hier stimmt was nicht», «wir (sind) zu tief», «heilige Scheisse», «bumm, krach, autsch.»

Hoo Lee fuk

Selber schrammte ich jüngst zweimal an ähnlichen journalistischen Bruchlandungen vorbei; in Artikeln über das derzeitige Haupttraktandum der politischen Agenda Luzerns – die betrübliche Finanzlage. Aus unerfindlichen Gründen tendiere ich dazu, Senkung mit Erhöhung zu verwechseln. So titelte ich vor zwei Monaten: «Gretchenfrage Steuersenkung». Diesen Lapsus zog ich im Text konsequent durch. Trotz mehrfachem Durchlesen fiel er mir nicht auf. Erst mein Chef konnte in der Schlusskontrolle einen Durchstart einleiten und den Gau abwenden. Ho Lee Fuk!

Sum Ting Wong! Wieso mein Unterbewusstsein immerzu von Steuersenkung statt -erhöhung berichten will, bleibt mir ein Rätsel. Um einen Freud’schen Verschreiber kann es sich nicht handeln. Denn als Spross eines CVP-Hauses wurde mir nicht eben überschäumende Liebe für den Liberalismus in die Wiege gelegt. Die Antipathie ist geblieben, obwohl ich mich politisch längst emanzipiert habe und auf mich gemünzt das Vorurteil nicht ganz in Abrede stellen kann, Journalisten würden eher nach links steuern – ausser natürlich die strammen Mannen von Captain Köppels «Weltwoche». Am letzten Freitag rasselte ich erneut fast in die Falle. Um ein Haar hätte ich der Luzerner SP den Wunsch nach tieferen Steuern unterstellt. Bang Ding Ow! Immerhin habe ich den Lapsus dieses Mal selbst bemerkt. Für den Fall, dass ich dereinst dennoch reinfliegen sollte und in der kantonalen Fiskalpolitik von Beibehalten statt Kurswechsel schreibe, halte ich hier schon mal prophylaktisch fest: Wi tu Lo!

Willisauer Bote (WB), 25. Oktober 2013
© David Koller, 2013

* Mehr über Kollers Technik-Fimmel gibt es hier.