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Medienkunde VI: Der zielgruppengerechte Titel

Ein guter Titel spricht die Zielgruppe eines Beitrags an. Die «Neue Zürcher Zeitung» machts exemplarisch vor. Intellektueller und elitärer kann eine Überschrift wohl kaum daher kommen:

Zurecht sagt man der NZZ bisweilen nach, sie sei versnobt und verstaubt. Wohl auch deswegen ist immer mal wieder die Rede von der «Grossmuter von der Falkenstrasse».

Apropos Grossmutter: Von ihrem Alter her würde die Protagonistin des nächsten Titels perfekt zur Zielgruppe der NZZ passen. Von ihrer politischen Einstellung her indes nicht wirklich. Statt wirtschaftsliberal ist sie eher linksradikal. Und sie sorgt für einen wunderbar zielgruppengerchten Titel auf «Nuovo SRF» – dem Kanal der SRG für 18- bis 30-Jährige.

Hier geht es zu den beiden Beiträgen:

NZZ
Nuovo SRF

Medienkunde V: Das passende Symbolbild*

* mit toller Legende

Während wir im letzten Beitrag kleinlich gestänkert haben, wollen wir jetzt wieder loben – geradezu euphorisch.

Grund für unsere Begeisterung ist ein Beitrag in der Printausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung» (Donnerstag, 2. April 2015, S. 60). Im Artikel «Ein elektronischer Schutzengel» geht es um einen Online Mobilitäts- und Service-Dienst für Autofahrer (Online-Version).

Entzückt haben uns Bild und Legende, mit denen der Artikel publiziert wurde. Denn Redaktoren wissen davon ein Lied zu singen: Oft ist es nicht eben einfach, einen Text mit eher abstraktem Inhalt stimmig zu illustrieren. In diesem Fall aber ist es perfekt gelungen, vor allem wegen der Bildlegende:

bugattiDer Rennfahrer Raymond Mays konnte bei seinem Bugatti noch ohne Internet Probleme sofort diagnostizieren.

Medienkunde IV: Die Korrekte Bildlegende, Teil 2

Im März 2012 freuten wir uns über eine hyperkorrekte Legende in der NZZ. Dank Twitter sind wir heute auf das Gegenteil gestossen, eine total verunglückte Bildunterschrift.

B8lWVHAIcAAuA1l

Welche Redaktion für diesen publizistischen Unfall verantwortlich ist, liess sich auf die Schnelle nicht herausfinden. Offenbar wurde der Fehler mittlerweile korrigiert.

Die Eingabe des Textes bei Google indes führte uns zu «20 Minuten», wo verdächtigerweise auch das Bild zu finden ist. Allerdings mit entschärfter Legende.

Wir von igosana.ch hoffen, dass den Boulevard-Soldaten von «20 Minuten» die Rückkehr ins zivile Leben weniger schwer fällt als den ukrainischen Kämpfern.

PS: Das «20 Minuten» auch sehr gelungene Produkte online stellt, beweist diese hervorragende Infografik über den Zerfall Jugoslawiens.

Medienkunde III: die korrekte Bildlegende

Jeder Lokaljournalist kann darüber ein Liedchen singen: Bildlegenden mit falschen oder verwechselten Namen sind unangenehme Fehler. Denn sie bringen meistens Reklamationen mit sich.

Daher soll im Idealfall jede Person auf dem Bild genau erkennbar sein. Die «Neue Zürcher Zeitung» ist bekannt für ihr genaues Arbeiten. Und für ihre nüchternen Bildlegenden. In der heutigen Ausgabe (9. März 2012) haben wir aber in einem Artikel über den Besuch von Verteidigungsminister Maurer bei einer neu strukturierten Elitetruppe der Armee eine Legende gefunden, die dieser Genauigkeit eine absurde Note verleiht:

Basisarbeit auf dem Ceneri: Bundesrat Ueli Maurer (ohne Helm) zu Besuch bei Spezialkräften der Armee.

Mit Verlaub: Bundesrat Maurer wäre wohl auch ohne die Klammerbemerkung zu erkennen gewesen.

Wenn man eine Bildlegende schon ins Lächerliche ziehen will, dann bitte richtig. Beispielsweise so: Basisarbeit auf dem Ceneri: Bundesrat Ueli Maurer (mit Eierschale statt Helm) zu Besuch bei Spezialkräften der Armee.

«Beste Erfindung seit geschnittenem Brot»

Interviews mit Musikern haben oft einen gewissen Unterhaltungswert. Das zeigte uns im November 2008 die «Basler Zeitung» – als diese noch nicht in der Hand von rechtsbürgerlichen Mächten war. Nun schiebt der Berner «Bund» (Ausgabe vom 18. Juli) ein nicht minder amüsantes Gespräch nach. Dieses Mal mit Liam Gallagher, heute Frontmann von «Beady Eye», früher bekannt als Prügelknabe der Britpopper «Oasis». Nachfolgend eine leicht gekürzte Fassung der Konversation, die vor dem Auftritt am Gurten-Festival stattfand:

(…)

Bund: Warum tun Sie sich das (gemeint ist das Auftreten an Festivals, dk.) mit bald 40 Jahren immer noch an?

Gallagher: Weil ich Musik liebe. Dafür bin ich da, Mann, um Musik zu machen. Und ich bin erst 38.

Bund: Aber so eine Tour ist doch stressig.

Gallagher: Nein, ist es nicht. Doch. Wenn du scheisse bist. Aber ich denke, unsere Musik ist die beste Erfindung seit geschnittenem Brot. Es ist ein Vergnügen, sie zu spielen. Also ist es nicht stressig. Vielleicht ist es stressig für die, die zuhören. Aber ich habe eine gute Zeit.

Bund: Sie waren die Ikone einer Generation. Jetzt spielen Sie für Teenager.

Gallagher: Mir ist egal, für wen ich spiele. Der Manager fragt: Willst an diesem Festival spielen? Und du sitzt dort und sagst: Yeah, fuck it, warum nicht. Das ist das, was Bands tun, oder? Ich gehe da raus, weil ich da raus will, für die Leute, die unsere Musik lieben. Da draussen gibt es vielleicht auch Leute, die keinen Bock haben, dass wir spielen. Aber wir spielen. Ob sie es wollen oder nicht. Wenn sie es nicht wollen, müssen sie sich hinter den fucking Bäumen verstecken.

Bund: Sie spielen hier zum dritten Mal. Waren Sie mal unten in der Stadt?

Gallagher: Ich glaube nicht, Mann.

Bund: Kennen Sie die Young Boys?

Gallagher: Nein Mann, sind sie gut?

Bund: Sehr.

Gallagher: Cool. Ich werde sie auschecken.

Bund: Tun Sie das. Ist es etwas Spezielles, auf einem Berg zu spielen?

Gallagher: Der Berg ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich bin höchstens froh, musste ich nicht rauflaufen. Der Berg ist schon in Ordnung, Mann. Aber ich denke nicht an diesen fucking Berg, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich mag das Festival hier, aber zu diesem motherfucking Berg weiss ich wirklich nichts zu sagen.

Bund: Okay, der Berg ist Ihnen egal. Und die Schweiz insgesamt?

Gallagher: Das erste, was mir in den Sinn kommt, ist Skifahren. Und Messer. Wie hiess der Klub noch mal? Young Blood?

Bund: Young Boys.

Gallagher: Ah ja. Ihr habt gegen Manchester City gespielt, nicht? Oder Chelsea?

Bund: Gegen Tottenham.

Gallagher: Genau. Fucking Tottenham.

(Ende des Interviews)

→ Wir lernen: wenn man mit Briten über Fussball spricht, wird das Interview zum Selbstläufer. Nur vor Kraftausdrücken ist man auch dann nicht gefeilt.