Ode an ein Stück Altmetall

Bis zum bitteren Ende hat David Koller gedient. Sich fürs Militär zu entscheiden und den Mist dann auch noch bis am Schluss durchzuziehen, war wohl der grösste Fehler seines Lebens. Immerhin hat er in der Rekrutenschule gelernt, Schuhe zu putzen. Es sei dies das einzige brauchbare Überbleibsel aus dem Militär, betont Kollers Mutter.

Dem ist so. Es gibt jedoch noch etwas anderes Sinnvolles aus der Schweizer Armee. Die alten schwarzen Drahtesel. Einen solchen besitzt David Koller seit Jahren. Für den Blog seines Freundes und Ex-Chefs, Velofahrer Dominik Thali, hat er eine Ode darüber verfasst.

Wie angekündigt nun auch noch die Veröffentlichung auf igosana.ch

Alte Liebe rostet ein bisschen

Es war im April 2006. Seinerzeit war der Verfasser dieser Zeilen noch ein junger Wilder, stand im Sold des «Seetaler Boten» und somit unter Knute seines damaligen Lehrmeisters, des Velofahrers. Weiland lebte der junge Wilde in Luzern. Täglich hatte er auf dem Weg zum Bahnhof eine steile Abfahrt zu meisten, mit dem Fahrrad versteht sich.

An jenem schicksalshaften Montagmorgen war es noch etwas gar früh, der Schreiber nicht eben wach. Just am Ende der steilen Abfahrt stoppte ein Autofahrer unverhofft. Ein Bremsmanöver war nicht sehr erfolgsversprechend, denn das junge Textverarbeitungssystem war mit Rosty unterwegs, seinem alten Militärgöppel. Dessen Bremskraft hält sich insbesondere bei Regen doch eher in Grenzen. Folglich blieb kein anderer Ausweg, als aufs Trottoir.

Trotz geschätzten 40 Sachen gelang es immerhin, den Lenker etwas anzuheben. Der Schlag auf die Vorderfelge war dennoch erheblich. Rosty nahm es ohne Murren hin. Kein Plattfuss, kein verformtes Rad. Dank einigermassen vorhandenen Fahrkünsten des Pedaleurs kam es auch zu keinem Sturz – vor allem aber dank einer gehörigen Portion Glück. Gar den Zug ins Seetal erreichte der leicht Geschockte noch.

Undefinierbaren Alters und trotz leichter Korrosion am Rahmen unkaputtbar: Rosty, der alte Soldat von Ex-Soldat Koller. (Foto David Koller)

Spätestens damals schwor der junge Herr Koller dem alten Drahtesel ewige Treue. Wer so hart im Nehmen ist, den muss man lieben. So ist es bis heute. Seit mehr als zwölf Jahren leistet das betagte, aber umweltfreundliche Kampffahrzeug unentbehrliche Dienste.

Wie viele Jahre Rosty auf seinem stählernen Buckel hat, weiss niemand genau. Denn die Geschichte der Besitznahme ist diffus. Der Erzeuger des Schreibers brachte die schwarze Perle eines Tages aus Luzern nach Hause. Sie habe ein halbes Jahr lang im Vögeligärtli unter einem Haufen herrenloser Drahtesel gelegen, rechtfertige er den nicht ganz legalen Erwerb. Der alte Koller hatte sich des alten Soldaten erbarmt.

Lediglich ein Aufpumpen der Pneus war notwendig. Indes hat die Lagerung im innerstädtischen Velofriedhof dem Lack etwas zugesetzt – daher der Name. Doch wer wirklich verliebt ist, übersieht solche Oberflächlichkeiten. Was zählt, sind die inneren Werte. Dennoch, ein bisschen pimp my rost musste sein. So wurde die offenbar unkapputbare Mühle vor Jahren mit einem Seitenständer getunt, und mit Leuchten im Rad. Damit sie noch unzählige Kilometer und viele harte Schläge auf sich nehmen kann.

Jetzt halt oben ohne

Heureka! Die Prüfungen sind abgelegt und das letzte Referat als Bachelor-Student ist gehalten. Da sind wir wieder und stellen erstaunt fest, dass in den letzten drei Wochen einiges vorgefallen ist:

  • Ratko Mladić wurde endlich verhaftet
  • Silvio Berlusconi musste eine herbe Schlappe einstecken
  • Francine Jordi und Florian Ast sind ein Paar
  • Sepp Blatter und die FIFA sind ihrem Ruf einmal mehr gerecht geworden
  • Dominque Strauss-Kahn hat ein Problem, Jörg Kachelmann derzeit eines weniger
  • Carla Bruni ist schwanger – Strauss-Kahn bestreitet, der Vater zu sein
  • Die Luzerner Regierung bleibt SVP-frei
  • David Koller hat sich immer noch nicht beim Coiffeur angemeldet
  • Renzo Blumenthal findet es nicht lustig, wenn im Schweizer Fernsehen über die Inzucht bei Rätoromanen gelästert wird

Was uns aber in den letzten Wochen neben dem Bachelor-Abschluss wirklich beschäftigte, ist das kurze Leben von Herr Kollers Migros-Budget Uhr (Neupreis 30 Franken). Sie hatte das Zeug, neben dem Militärvelo Rosty zum trashigsten Utensil in der Sammlung des Studalisten zu werden. Doch mitnichten: ein nicht eben heftiger Zusammenprall mit einem Türrahmen reichte und das überaus hässliche aber liebenswerte Stück muss nach wenigen Wochen an Kollers Handgelenk vereinsamt und ohne Glas weiterleben. Glas ist indesssen massiv übertrieben, denn es ist lediglich eine Plastikscheibe – und eine offenbar nicht sonderlich gut verklebte dazu.

Funktioniert noch, jetzt halt oben ohne: Kollers M-Budget Uhr.

Was lehrt uns diese traurige Episode? Günstig ist gut, mitunter aber eben doch ein bisschen zu billig.