Der ewige Putin

Gottseidank! Vladimir Putin hat sich bereit erklärt, 2018 nochmals als Präsident zu kandidieren. Wir sagen: Hoffentlich hat es sich damit noch nicht! Gerne auch 2024. Und 2030, 2036, 2042, 2048, 2054, 2060, 2066 und 2072 sowieso. Und danach regiert dieser wahrlich Unsterbliche noch mindestes 1000 Jahre neben Lenin vom Mausoleum aus.

Dazu haben wir ein nicht mehr ganz taufrisches, aber immer noch brandaktuelles und vor allem sehr gut gemachtes Filmchen gefunden.

Macht euch keine Sorgen!

Der neue RasPutin hat alles unter Kontrolle.

In diesen Kontext empfehlen wir das neuste Buch von Russlandkenner Boris Reitschuster: Putins verdeckter Krieg. Wie Moskau den Westen destabilisiert, Econ Verlag, Berlin 2016.

Kleiner Jahresrückblick

Auch wir wollen zurückblicken auf 2016. Gleich mehrere Katastrophen ereigneten sich auf der weltpolitischen Bühne. Dennoch gab es in den vergangenen zwölf Monaten auch einige schöne Momente. Nachfolgend eine Gegenüberstellung von Argumenten für ein gutes und für ein schlechtes Jahr:

2016 war ein gutes Jahr

  • Das zweite Koller-Kind ist da (Janek Sebastian, 20.12.2016)
  • Goran Vojnović grandioses Buch «Vaters Land» erscheint auf Deutsch
  • Die SP ist Gewinnerin der Aargauer Grossratswahlen
  • Norbert Hofer wird nicht österreichischer Bundespräsident
  • Die Schreiberei Koller blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück
  • Die FIFA wird endgültig als Schmierenverein enttarnt
  • Renzo Blumenthal hält die Klappe
  • Göla schiesst sich mit seinen tumben Aussagen selber ab

2016 war ein schlechtes Jahr

  • Der Kanton Luzern verkommt zum Nachtwächterstaat
  • Der rechte Populismus schreitet weiter stramm voran
  • Trump. WTF?
  • Brexit. WTF?
  • David Koller war nicht auf dem Balkan
  • Köppel wird immer überheblicher
  • Putin bleibt unbestritten
  • Erdogan pervertiert seine Autokratie
  • Irre töten Unschuldige und glauben, sie täten es im Auftrag eines Gottes
  • Zwölf Menschen in Berlin interessieren mehr als tausende in Aleppo
  • Fake News schaden dem Ansehen der Medien weiter
  • Die postfaktische Gesellschaft nimmt Gestalt an

Faszinosum Fasnacht

Was bleibt einem anderes übrig, als über die närrischen Tage zu schreiben, wenn die «Carte Blanche» just in die fünfte Jahreszeit fällt?

Kanone, Zwiebeln und Trockeneis

IMG_5636Begeisterter Fasnächtler war ich nie. Vielleicht, weil ich als Knirps am Altishofer Umzug höllisch ob einer Kanone erschrak. Vielleicht, weil ich als Mensch mit einigermassen intaktem Musikgehör mit dem Geschränze einfach nie warm wurde. Dabei habe ich einst selber in der Nebiker Jungguuggenmusig gespielt. Nicht aus Überzeugung. Nur, weil man das als Heranwachsender eben tat; und weils dort so herrlich viel zu trinken gab.

Ein guter Göiggel war ich nie. Unzählige Anekdoten aus den närrischen Tagen habe aber auch ich in petto. Etwa die vom Kollegen, der sich verliebte. Doch dem jungen Glück stand seine notorische Untreue im Weg. Um dagegen anzukämpfen, verputzte er am Folgetag eine komplette Zwiebel. Mit der Intention, so sehr zu stinken, dass ihn keine Frau mehr küssen will. Er roch wie ein alter Drache und wurde Opfer seines eigenen Erfolgs: Alle machten einen weiten Bogen um ihn. Auch die Angebetete.

Oder die Geschichte jenes Kumpanen, der in einer Bar den Boesch gab – wie die Frau aus der Tagesschau kippte er um. Schuld war nicht etwa die Grippe, sondern eine nicht minder ansteckende Fasnachtskrankheit: der Alkohol. Der Sturz sah dramatisch aus, bald fuhr die Ambulanz vor. Dabei war der vermeintlich Kranke längst wieder am Pressen. Aus Zechprellen indes wurde nichts: Ein paar Wochen später flatterte eine saftige Rechnung ins Haus.

Oder die Tragödie mit jener Schönen aus meinem Dorf: Vor Jahren hatte sie mir das Herz gebrochen. An einem Ball sahen wir uns wieder. Zufällig. Viel Wasser war seither die Wigger heruntergeflossen. Wieder loderte das Feuer. Um uns tobten und tanzten sie, wir hatten nur Augen für uns. Einige Wochen später brach sie mir das Herz abermals.

Oder als wir Jungs aus irgendeinem dekorativen Grund einen Kübel Trockeneis nach Schötz schleppten. Tief in der Nacht machte einer auf Putin. Er – pardon! – pisste auf Konventionen und entleerte seine vom Bierkonsum malträtierte Blase in besagten Kübel. Später wollte eine Närrin mit dem Trockeneis spielen. Wir waren schlicht zu schwach, sie zu warnen.

Faszinosum Fasnacht. Jeder hat solche Anekdoten auf Lager. Selbst Muffel wie ich. Doch irgendwann reicht das Repertoire. Darum bleibe ich auch heuer zu Hause. Die meisten Geschichten sind eh zum Vergessen.

Willisauer Bote (WB), 13. Februar 2015
© David Koller, 2015

Vermaledeite Puffschublade

Warum nicht mal wieder über Belanglosigkeiten schreiben, und dabei Vladimir Putin nicht vergessen? David Kollers neueste «Carte Blanche» geht auf eine kleine Unpässlichkeit im Alltag ein.

Schwarzes Loch im weissen Pult

Gibt es in Ihrem Haushalt ein Möbelstück, das Sie grenzenlos verachten? So sehr, wie Vladimir Putin Demokratie verachtet? Meines befindet sich im Büro. Eines dieser Dinger, die man unter dem Pult stehen hat. Es beherbergt drei Schubladen. Die grösste davon ist das Objekt meiner Abneigung: Jene, in der sich Hängeregister unterbringen lassen. Solche sind hochpraktisch. Vieles lässt sich darin verstauen. Und genau hier liegt der Hund begraben. Zu viel lässt sich darin verstauen. Die Schublade enthält mein halbes Leben: Alle Zeugnisse sind in ihr zu finden, mein Dienstbüchlein ausser Dienst, mein Pass, etliche aufgeschwatzte Kundenkarten, ein Tauchbrevet, ein in einer Belgrader Bar gefundener serbischer Führerschein, Briefe mit Liebe zum Inhalt – schöne genauso wie traurige –, Hochzeits- und Geburtskarten, Zeitungsartikel, Garantie- und Einzahlungsscheine. Das Fassungsvermögen scheint unendlich zu sein; mitunter habe ich den Eindruck, im weissen Möbel unter meinem Pult verberge sich ein schwarzes Loch.

Die enorme Kapazität ist der Grund, warum ich meine Puffschublade so leidenschaftlich hasse. Stunden, ja Tage habe ich damit verbracht, verschollene Dinge in ihrer Tiefe zu suchen. Wiederholt schon hat sie mein Raum-Zeit-Kontinuum durcheinandergewirbelt. Erst vor Kurzem wieder. Ich vermisste den Schlüssel meines Veloschlosses. Schublade auf – Stimmungsbarometer runter. Ich suchte und suchte, ich fluchte und fluchte. Der Allesfresser im Büro ist meinem Karma nicht eben förderlich.

Natürlich bin ich selber schuld. Das ist ja das Schizophrene. Regelrecht hörig scheine ich dem Teil zu sein. Wohlwissend, dass sich das sorglose Hineinschmeissen rächen wird, tue ich es wieder und wieder. Seit Jahren. Oder genauer: Seit mir am ersten Tag meiner Lehre mit auf den Weg gegeben wurde, ein Arbeitsplatz habe abends aufgeräumt zu sein. Daran halte ich mich bis heute. Nur schmeisse ich idiotischerweise alles ohne Konzept in den Müllschlucker unter dem Pult. Mehr Schein als Sein: Diese Prämisse lässt sich bei meinem (Un)Ordnungssystem nicht verleumden. Und dafür ist die vermaledeite Schublade beste Komplizin. Wie ich sie doch liebe! Sie ist so unendlich praktisch. Zumindest im ersten Moment.

Willisauer Bote (WB), 25. April 2014
© David Koller, 2014