Schlagwörter: Uni

Powersätze von Phil-Eins-Studenten

Immer mal wieder wird an dieser Stelle ein Loblied auf die Geisteswissenschaften angestimmt. Nicht zuletzt, um damit dem dauernden Geschrei nach mehr Ingenieuren Paroli zu bieten. Weil wir aber den Anspruch erheben, ein ausgeglichener und undparteiischer Blog (hi hi hi) zu sein, bringen wir nun einige herrliche Phil-Einser-Klischees aufs Parket – mit bestem Dank an das «Titanic-Magazin».

Das Amüsante daran: Viele dieser abgedroschenen Phrasen haben wir während des Studiums so oder in ähnlicher Form tatsächlich gehört.

  • Nach jeder Sitzung konnte ich spüren, wie ich weiter in die politische Mitte rutschte und zum Sozialdemokraten wurde.
  • Später kam ich ins Jugendparlament und bin einer lokalen Jugendpartei beigetreten.
  • Oft sass ich mit Kommilitonen da und diskutierte bei Rotwein über soziale Gerechtigkeit.
  • Nach dem Auslandssemester wusste ich: Ständig über das System zu schimpfen, reicht mir nicht mehr.
  • Irgendwann wurde mir der Druck zu gross. Ich beschloss, das Studium abzubrechen. Seitdem geht es mir viel besser. Ich brauche einfach noch Zeit, um in Ruhe alles durchzulesen und mich politisch zu festigen.
  • Zum Glück habe ich den Blog irgendwann gelöscht.
  • Das ist doch total undifferenziert.
  • Jegliche Form von Herrschaft und Macht lehnen wir ab.

In dem Sinne: Mehr Geisteswissenschafter braucht das Land!

Remarque und Estermann

Drei Wochen sind seit seiner Verehelichung verstrichen. In der Zwischenzeit hat Herr Koller für verschiedene Auftraggeber einiges geschrieben, ein Podium moderiert und sein Diplom als Master of Arts entgegengenommen (Prädikat: Insigni cum laude). Daneben hat er auch noch ein bisschen gelesen.

Aus Anlass des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat er sich endlich Erich Maria Remarques Klassiker «Im Westen nichts Neues» zu Gemüte geführt. Diesen bedrückenden Antikriegsroman, der so schnörkellos vorführt, wie noch halbe Kinder der Kriegsmaschinerie vorgeführt werden; wie sie zu Krüppeln werden – physisch genauso wie psychisch, wie sie sterben. Wer das Buch noch nicht kennt, dem sei es wärmstens empfohlen.

Yvette EstermannOb sich dies auch über die zweite aktuelle Lektüre  Kollers sagen lässt, sei dahingestellt: «Erfrischend Anders» der Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Mit Verlaub, dieses Buch in einem Atemzug mit einem Remarque zu nennen, ist geradezu eine Frechheit. Doch diesen Anspruch wollen wir Estermann auch nicht unterstellen. Vielmehr will die Nationalrätin einen «tiefen Einblick in ihre spirituell-philosophischen Motive und politischen Überzeugungen» verschaffen – so verspricht es der Klappentext. Herr Koller hat das Buch noch nicht gelesen, und er wird es mit deutlich weniger Innbrunst tun, als bei Remarque. Aber was bleibt ihm übrig? Als frischdiplomierter Osteuropa-Experte und langjähriger Politberichterstatter im Kanton Luzern ist es für ihn ja geradezu Pflicht, das Werk der in der Slowakei geborenen Innerschweizer Patriotin zu analysieren.

Ob er hier nach Ende der Lektüre eine Rezension nachreicht, lässt er offen. Nur so viel ist jetzt schon klar: Von Remarques Buch wird man auch in 20 Jahren noch sprechen, von Estermanns wohl kaum.

Estermann, Yvette: Erfrischend Anders. Orell Füssli. 2014. 224 Seiten.
Remarque, Erich Maria: Im Westen Nichts Neues. Kiepenheuer & Witsch. 2013. 360 Seiten.

Uni-Stilblüten III

Das Semester ist noch jung, und doch sind in den heilligen Hallen der Universitäten schon wieder einige knackige Sprüche gefallen:

  • Dozentin: «Ich weiss nicht, ob ich das ganze Semester durchstehe. Ich bin eine wandelnde Zeitbombe.» (Sie ist hochschwanger und erwartet Zwillinge)
  • Professor: «Michel Foucault kann selbst ich nicht in vier Sätzen zusammenfassen.» (Wir lernen daraus: Historiker sind bescheidene Menschen)
  • Dozent: «Das Wort Tandem ist leider durch Putin und Medvedev politisch verseucht.» Ein paar Sätze später schiebt er nach: «Entschuldigen Sie, dass ich als wilder Russe mitunter politisch unkorrekte Fragen stelle.»
  • Studentin I (sucht für Teilnehmer eines Slavistenkongresses Übernachtungsmöglichkeiten): «Ihr könnt auch Präferenzen angeben, aus welchem Sprachgebiet die Person kommen sollte.»
    Studentin II: «Ich hätte gerne einen Russen.»
    Dozentin: «Oh ja. Schön, gross und mit vielen Muskeln.»
  • Dozentin: «Es ist ein uni-physikalisches Gesetz, das gegen Ende des Semesters weniger Studenten in den Vorlesungssälen sitzen.»
  • Student (der Politikwissenschaften, notabene): «Bundesrat Burkhalter ist ein Technokrat, Blocher war eine Rampensau.»
  • Dozentin: «Als ich in Russland meine Dissertation schrieb, wohnte ich bei einer Familie, bei der immer der Fernseher lief. Zu jener Zeit war der Papst gestorben und Berlusconi hate – mal wieder! – irgend einen Scheiss gebaut. Im Russischen Fernsehen war davon kein Wort zu hören. Die berichteten nur über irgend einen ihrer neuen Satelliten.»
  • Dozent: «Waren Sie schon mal in Russland?»
    Studentin (tiefe Semesterzahl; stolz): «Ja, in St. Petersburg.»
    Dozent: «Aber das ist doch nicht in Russland!»

Wir lernen, dass auch im akademischen Leben nicht immer alles bierernst genommen wird. Besonders plastisch manifestiert sich dies an folgendem Beispiel: in einer Veranstaltung des slavischen Seminars war eine angehende Meteorologin zugegen. Sie hatte sich für den Kurs eingeschrieben, weil sie ausserfakultäre Erfahrungen sammeln wollte und weil sie sich für die Tschuktschen (indigenes Volk im Fernen Osten Russlands) interessierte. Als es darum ging, ein Referatsthema zu finden, fühlte sich die junge Dame ziemlich unwohl, unter den vielen Slavisten mit ihrem geballten Fachwissen. Dazu der Dozent:

  • «Machen Sie sich keine Sorgen. Wir finden schon ein Thema, dass zu Ihnen passt. Vorerst möchte ich aber einen Witz erzählen, der zu Ihnen passt: Ein Tschuktsche weiss nicht, ob das Wetter gut genug für die Jagd ist. Seine Frau macht ihm folgenden Vorschlag: ‹Mach du dich auf den Weg und ich gehe zum Meteorologen, der seine Station gleich nebenan hat. Von dort werde ich dich anrufen und sagen, ob das Wetter gut wird.› Der Tschuktsche ist einverstanden, schnallt sich seine Skier an und macht sich auf den Weg. Die Frau wiederum begibt sich zum Meteorologen. ‹Ivan Ivanovitsch. Wie wird das Wetter?›, fragt sie diesen. Er blickt fachkundig durch das Fenster und sagt schliesslich zufrieden: ‹Es wird sehr gut werden. Ich habe soeben ein deutliches Zeichen gesehen: Ein Tschuktsche hat sich auf den Weg zur Jagd gemacht.›

Slawisten binden Krawatten

Dieses Bild wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Es zeigt Herrn Koller zusammen mit zwei Mitstreitern während einer Aufführung des Theaterstücks «Pikovaja Dama».

Drei Männer machen sich schön. (Foto Olivier Christe)

In dieser Szene machen sich junge Männer bereit für einen Spielabend. Die Proben dafür hatten es in sich. Denn die Beteiligten taten sich schwer damit, das Binden eines Krawatten-Knopfs zu erlernen. Wohl ein Indiz dafür, dass Slawisten eher nicht für die Wirtschaftswelt geeignet sind; oder zumindest mit dieser nicht viel zu tun haben wollen.

Lüsterner Graf oder betrunkener Jüngling

Ein Grund dafür, dass David Koller in den letzten Wochen etwas gestresst durch die Welt ging und auch igosana.ch vernachlässigte, ist das Theaterstück «Pikovaja Dama» – auf Französisch «Pique Dame».

Studierende der Universität Basel geben vom 1. bis 4. Dezember die Erzählung des grossen russischen Dichters Aleksandr Sergeevič Puškin (1799 bis 1837). Man ahnt es schon, auch unser Herr Koller ist einer dieser Studierenden. Mangels Talent indessen spielt er nur kleine Nebenrollen. Etwa einen alten lüsternen Grafen, der einer jungen Frau ein Geheimnis verrät (Regieanweisung: «Mach in dieser Szene nichts anderes, als auf ihren Busen zu starren»), einen betrunkenen Jüngling, einen Kartenspieler, einen untalentierten Tänzer an einem Ball oder aber einen Engländer an einer russischen Beerdigung.

Die Vorbereitung auf die sehr moderne Adaption des Klassikers war aufwändig, denn die Bühnenpräsenz aller Involvierten ist gross. Ab dem 5. Dezember freut sich der Koller über die wiedergewonnene Freizeit – und die Vorbereitung auf die bald schon anstehenden Klausuren zum Semesterende.