Die Dumm-Bremse

In den USA schlägt der wirre Wüterich vom Weissen Haus weiter um sich. Ein ausgeklügeltes politisches System sollte aber verhindern, dass er all seine geäusserten Dummheiten tatsächlich umsetzen kann. In der«Neuen Zürcher Zeitung» vom 18. Februar ist das mit der Unionsverfassung von 1787 eingeführte System treffend erklärt. Vor allem die gelungene Infografik hat es in sich.

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Der dazugehörende Text des emeritierten Staatsrechts-Professors Walter Haller ist ebenfalls lesenswert. Hier eine allerkürzeste Zusammenfassung: In den Vereinigten Staaten existiert eine feine Balance zwischen den drei Staatsgewalten. Die Verfassung zeichnet sich durch ein ausgeklügeltes System von sogenannten «checks and balances» aus. Die drei mächtigsten politischen Pfeiler sind:

  • Der vom Volk gewählte Kongress, bestehend aus Repräsentantenhaus und Senat
  • Der vom Volk via Elektoren indirekt gewählte Präsident
  • Das Oberste Bundesgericht, der Supreme Court

Die drei Zentren sind einander gleichgestellt und müssen sich gegenseitig kontrollieren. Dies gewährleistet, dass das durch die Verfassung vorgegebene Machtgleichgewicht nicht aus den Fugen gerät.

Trumps bisherige Äusserungen lassen befürchten, dass die Balance in nächster Zeit einer harten Bewährungsprobe ausgesetzt wird. Ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt indes, dass sie sich bislang bewährt hat. Ob die an sich sehr effektive Macht-Bremse dieser neuen Dimension der Dumm- und Unverfrorenheit ebenfalls standhält, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Existenzielle Fragen


Mit bangem Blick in Richtung USA sind wir derzeit nicht so recht sicher, welche dieser beiden Grundsatzfragen uns mehr beschäftigen soll:

> Meint dieser Irre das tatsächlich ernst und will er das wirklich durchziehen?
> Warum in aller Welt gibt es nicht mehr Widerstand? Wieso wehrt sich die Mehrheit nicht vehementer, die diesen Wüterich gar nie gewählt hat?

Wir sind zugegebenermassen ein bisschen ratlos.

Make America Dumb Again

«Morgengrauen – neu definiert», twitterte einer in den frühen Stunden des 9. Novembers. Er brachte es auf den Punkt. Europa erwachte und traute den Augen nicht. Auf der anderen Seit des Atlantiks wurde wahr, war hier niemand für möglich halten wollte: Donald Trump schickte sich an, Präsident der USA zu werden.

Jetzt ist es Fakt. Die Tolle zieht ins Weisse Haus und wir staunen. Weil das ganze dermassen surreal ist, kann man darüber eigentlich bloss lachen. Das wollen wir hier tun. Mit einigen gelungen Reminiszenzen zur Wahl des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

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Hier einige Reaktionen aus dem Ausland. Freundliche und weniger freundliche…

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In unserer «Kleinen Medienschelte» vom 6. September hielten wir fest, wir wollten nichts mehr von Donald Trump lesen, nichts mehr von Christoph Blocher und auch nichts mehr aus der «Weltwoche». Nun, wenn schon, dann richtig. Als logische Konsequenz folgt hier auch noch der Köppel. Einmal mehr treffend auf den Punkt gebracht vom grossartigen Ruedi Widmer.

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Donald und die Zombies

Natürlich könnten auch wir über die heutige historische Wahl des ersten Clowns ins Weisse Haus schreiben. Aber darüber wurde weiss Gott schon genug debattiert und lamentiert. Viel mehr wollen wir uns eines Themas annehmen, das uns wirklich beschäftigt: Zombies.

Der nachfolgende Essay entstand vor rund zwei Jahren und hat leider nichts an Aktualität verloren. Zumal mit Blick auf Amerika, wo Massen blindlings einem Irren nachrennen. In einer Welt, in der man ohne Hirn zu einem der mächtigsten Menschen der Welt werden kann, muss was dran sein an der Hypothese über die Existenz von Zombies. Aus diesem Grund brühen wir einen Text lauwarm auf – das aber nur, weil er unserer Meinung nach so schlecht nicht ist. 

Metaphysik des Zombiefilms

Gewisse Dinge sind rational nicht nachvollziehbar. Etwa, dass Menschen Mike Shiva und seinen Mitarbeitern Geld dafür bezahlen, damit sie ihnen Banalitäten auftischen. Oder, dass jemand Linseneintopf mag. Oder, dass Kreaturen existieren, die Hitlers Gedankengut auch nur ansatzweise gut finden. Oder, dass es eine Nation gibt, die einen Donald Trump zum Präsidenten wählt. Bei mir gibt es ebenfalls ein rational nicht nachvollziehbares Faktum: ich mag Zombiefilme. Machwerke über mehr tot als lebendige Wesen, die träge herumtorkeln und Menschen nachstellen, auf deren Fleisch sie aus sind.

Beissen Zombies Lebende, werden diese zu Ihresgleichen. Das ist der ewige Kreislauf solcher Filme: Eine kleine Gruppe – meist gut aussehender – Menschen ist auf der Flucht vor einer erdrückend grösseren Masse. Obwohl Zombies in der Regel nicht nur hässlich, sondern auch strohdumm sind (Ähnlichkeiten mit amerikanischen Präsidenten sind rein zufälliger Natur), gelingt es ihnen, die Zahl der Fliehenden laufend zu dezimieren. Dabei trifft es unweigerlich auch Protagonisten, denen man es am wenigsten wünscht. Am Ende überleben nur die Stärksten. Sozialdarwinismus, wie er im Buche steht.

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Prototyp des modernen Zombiefilms: Die «Resident Evil»-Reihe. Einmal mehr verfolgt die sabbernde Meute die schöne Protagonistin (Milla Jovovich).

Das mag dumm tönen und ist es auch. Aber die Horden, die in den von mir bevorzugten neueren Filmen meist durch eine Vireninfektion zu Untoten mutiert sind, können als Metapher für das in der Geschichte der Menschheit immer wieder anzutreffende Dahingleiten einer gleichgeschalteten Masse interpretiert werden. Selten war der Ausdruck Kadavergehrosam treffender.

Auf der anderen Seite gibt es die Helden im stetig schrumpfenden Kollektiv. Individualisten, die sich schwerbewaffnet durch eine lebensfeindliche Welt schlagen und dabei massenhaft Untote definitiv tot machen. Weil sie auf sich gestellt sind, gelten für sie – ausser dem Überleben – keine Regeln. Freiheit trotz permanenter Flucht. Pure Anarchie!

Das ist die faszinierende Metaphysik von Zombielfilmen. Überdies gibt es da noch die neuerdings anzutreffende Ästhetik der Gewalt. Auch in aktuelleren Streifen ist das Gemetzel hirnlos; doch die Bilder zeigen, dass die Macher ihr Handwerk mittlerweile beherrschen. Das war nicht immer so. Und: Bisweilen gibt es Szenen, die einem trotz aller Brutalität und Endzeitstimmung zum Lachen bringen. Ob gewollt oder nicht, sei dahingestellt.

Reicht das als Erklärung? Wohl kaum. Ich kann meine Faszination ja selber nicht nachvollziehen – zumal ich mich als äusserst friedliebenden Menschen betrachte.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Die dazugehörende Gretchenfrage: Existieren da draussen Geistesverwandte? Falls es sie gibt: Wer hat Lust auf eine Zombieparty? Liebend gerne würde ich mir einen solchen Film zusammen mit Menschen zu Gemüte führen, die beim Anblick sabbernder und röchelnder Horden nicht verständnislos den Kopf schütteln, sondern die dahinterliegende Symbolik verstehen. Bislang habe ich niemanden gefunden. Mitunter fühle ich mich allein und auf mich gestellt – so wie Helden in einer Welt voller Untoten.