ego-Sana auf igosana

Mit seiner Schreiberei verfasst David Koller Sonderseiten über Luzerner Gemeinden. Bei der letzten Ausgabe zu Altbüron hat sich in einer Bildlegende ein kleiner Fehler eingeschlichen.

Aus Der Nebel verzieht sich aus Altbüron wurde Der Nebel verzieht ich aus Altbüron.

Ein Leser machte mit in einer geistreichen Zusendung aufmerksam auf den Lapsus. Diesem digital zugestellten Bild…

…hängte er folgenden Kommentar an: Ego-sana in der Bildlegende. 

Das gefällt uns. Gleichwohl geben wir zu bedenken: Herrn Koller wird mitunter ein etwas gar überzogenes Ego unterstellt. Ganz so doll ist es denn aber doch nicht. Das Wetter beeinflussen zu können, masst sich der Schreiber nicht an. Überdies ist ein solch dummer Fehler nicht unbedingt Balsam für die Seele – eher das Gegenteil.

Aber abgesehen davon sind die Sonderseiten über die Gemeinden wirklich ultimativ obergenial – durchaus im Stande, Nebel zu vertreiben.

Machs wie Willis!

Wir haben mal wieder in der Mottenkiste gewühlt und sind auf diesen Text gestossen. Nur schon des Bildes wegen lohnt sich eine Zweitpublikation. Zum ersten Mal erschienen ist das hier leicht überarbeitete Machwerk  als «Carte Blanche»  im «Willisauer Boten» vom 14. Juni 2013.

Unterwäsche für echte Kerle

Kennen Sie Bruce Willis? In der Regel fällt der US-amerikanische Schauspieler nicht unbedingt durch geistreiche Filme auf, wohl aber durch actiongeladene. Er ist der Mann fürs Grobe. Schon so oft hat er auf der Leinwand die Welt gerettet oder ganze Heerscharen von Bösewichten dingfest gemacht. Ein echter Kerl. Glatzköpfig und muskelbepackt. Beim Showdown seiner Streifen – wenn massenhaft Kugeln und schlechte Menschen durch die Luft fliegen – sprintet er oft im weissen Unterhemd irgendjemanden hinterher oder davon. Meistens ist das Kleidungsstück dann nicht mehr ganz taufrisch, sondern blut- und ölverschmiert.

Nichts habe ich mit Willis gemein. Weder bin ich ein harter Kerl noch muskulös; statt einem Waschbrett- habe ich einen Waschbärbauch. Und schiessen kann ich auch nicht. Mitnichten ist mein Leben ein Actionfilm. Müsste ich es mit einem cineastischen Werk vergleichen, dann wohl am ehesten mit «Buchhalter Nötzli». Dennoch gibt es eine Parallele zum Leinwand-Haudegen: Auch ich trage weisse Unterhemden, auch ich bin stolz auf diesen textilen Anachronismus. In meinen Augen hat das umstrittene Stück etliche Vorteile, obwohl es als altmodisch verpönt ist und als bünzlig gilt, ja als Sextöter.

So stimme ich hier an zu einer Ode auf das Unterhemd. Überaus praktisch ist es. Denn es gibt warm – immer schön die Niere schützen, habe ich als Kind gelernt; auch Helden sollten sich daran halten. Und: Einem so nahe am Wasser gebauten wie mir – nicht in Sachen Tränen, sondern Transpiration – leistet es auch im Sommer treue Dienste. Meine Schweiss-Sammler sind zwar nicht blut- oder ölverschmiert. Aber in ihnen fühle ich mich stark. Sie sind das Refugium meiner kümmerlichen Männlichkeit. Deswegen behaupte ich, längst nicht der einzige Weisshemd-Jünger zu sein. Viele tragen sie, getrauen sich aber nicht, dazu zu stehen.

Damit muss jetzt Schluss sein. Emanzipiert euch, ihr Unterdrückten! Wider das Diktat der Modeindustrie! Trägt die hässliche Unterwäsche mit geschwollener Brust, führt euch auf wie echte Kerle. Die Welt müsst ihr nicht zwingend retten, und auch keine Ganoven einkassieren. Aber friert und schwitzt nicht. Fühlt euch wohl. So wie ganz normale Actionhelden. Wie der Willis von nebenan, wie der wilde Nötzli.

Willisauer Bote (WB), 14. Juni 2013
© David Koller, 2013

In den ewigen Jagdgründen

Buma Nathanael ist nicht mehr. Vergangene Woche ist er in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Er war ein Dackel, wie er im Buche steht: Jagdhund (ausser Dienst), verfressen, lang und dickköpfig.

Mitunter war er ziemlich unberechenbar – gleichwohl erstaunlich geduldig gegenüber Kleinkindern. In den letzten Monaten indes war er vor allem eines: sehr alt, immer schwächer und gebrechlicher. Am 15. März wurde er von seinen zunehmenden Leiden erlöst.

Am 26. Juni wäre Baiko – so der offizielle Name gemäss Hundepass (kein Witz, so etwas gibt es wirklich) – 15 geworden. Ein stolzes Alter, immerhin 105 Menschenjahre.

Wursthund Buma: Meistens hat er geschlafen, bald war er süss, bald ziemlich lästig; bisweilen wurde er unfreiwillig zum vierbeinigen Clown:

 

Auch in die Printmedien hat er es geschafft. Zuletzt am 17. August 2013 in einer «Carte Blanche» im «Willisauer Bote».

In diesem Sinne: DIP, alte Wurst (Dackel in Peace).

Dann, wenns am schönsten ist

Am 2. August 2006 hatte David Koller seinen ersten Arbeitstag beim «Willisauer Bote». Am 29. Juni 2015 fährt er zum letzten Mal in die Redaktion. Die Abschieds-«Carte Blanche» nach fast neuen Jahren, das stimmt schon ein bisschen wehmütig.

Koller nutzt die Zeilen, um reinen Tisch zu machen:

Mein Schock-Geständnis

Letzten Oktober veröffentlichte der WB zu einem Text über eine Braunviehschau ein Bild, das graue Kühe zeigte. Agrarjournalistischer Supergau! Ich gestehe: Gewachsen ist dieser kapitale Bock auf meinem Mist. Er sorgte für harsche Reaktionen. Ebenfalls keine Begeisterungsstürme löste aus, als ich 2006 in der Reportage über eine kulinarische Wanderung von «Völlerei am Bettag» geschrieben hatte. Todsünde! Das eine geschah aus mangelnder Konzentration, das andere aus jugendlichem Leichtsinn. Es sind zwei Dinge, über die ich mit Blick zurück schmunzle. Nicht mehr ums Lachen indes war mir in den Tagen um die Bluttat in Menznau. Zwar gaben wir vom Böttu alles, um Pietät zu wahren. Dennoch schämte ich mich aufrichtig für unsere Branche. Gewisse Journalisten benahmen sich fürchterlich. Jener Jungspund etwa, der einem davonfahrenden Leichenwagen nachspurtete, um ein «gutes» Foto zu schiessen. Unausstehlich!

Das war der Tiefpunkt. Fast immer aber hatte ich es toll beim WB. Vor allem wegen des Teams. Grosse Journalisten mit kleinen Marotten. So habe ich die Metamorphose eines Schreibers vom Raucher zum nikotinfreien Sportfanatiker zum Raucher miterlebt. Ein anderer kann offensichtlich nicht auf dem Bildschirm lesen und druckt deswegen jede Lappalie aus – sein Papierverbrauch ist absurd hoch. Handkehrum mutierte er quasi über Nacht zum Vegetarier, vielleicht will er damit seine miese CO2-Bilanz polieren. Eine Kollegin wiederum versucht jeden Mittag mit viel Lärm eine zerknüllte Serviette in den Abfalleimer zu werfen. Die Trefferquote der ehemaligen Handballerin liegt bei gefühlten 0,2 Prozent. Einer singt lauthals und klatscht dazu, wenn er mit der Arbeit durch ist. Wieder ein anderer hält sich mal für einen Brasilianer, mal für einen Italiener und schliesslich für einen Basler.

 Ein schmaler Grat trennt Genie und Wahnsinn. Wer beim WB tätig ist, muss offenbar ein bisschen spinnen. Vermutlich habe ich mich deswegen stets so wohl gefühlt. Dennoch ziehe ich jetzt den Schlussstrich. Nach neun Jahren in den heiligen Hallen am Willisauer Viehmarkt wechsle ich in die Kommunikation. Ein bisschen traurig ist das durchaus. Doch gehen soll man bekanntlich dann, wenns am schönsten ist. Und endlich bin ich nun eine Last los. Die dunkle Wahrheit über die grauen Kühe.

Willisauer Bote (WB), 26. Juni 2015
© David Koller, 2015

Porno Mary und die Cordon Bleus

WB 08.05.15Nach unzähligen Berichten über politische Ereignisse im Kanton Luzern hat David Koller im «Willisauer Bote» (WB) mal wieder ein Portrait veröffentlicht. Eines über Maria Vogel, Wirtin des Dagmerseller Restaurants Kreuzberg.

Der «Chrüüzer» – so nennt der Volksmund den Traditionsbetrieb – ist vor allem bekannt wegen seiner gewaltigen Cordon Bleus. Überdies gibt es aber auch unzählige Anekdoten zu erzählen aus dem Haus am Fusse des Kreuzberges. Auch David Koller hätte etliche im Köcher, zumal er dort unter anderem seinen Polterabend gefeiert hat – oder treffender formuliert: überlebt hat.

Den Artikel in lesbarer Form gibt es durch Klicken auf die Miniaturseite.

Über den «Chrüüzer» hat Koller schon einmal geschrieben, als er sich 2011 im Rahmen der WB-Sommerserie mit der Geschichte des Cordon Bleus befasste: Ein blaues Band für die üppige Fleisch-Käse Kombination.