Alle Jahre wieder

Wir geben es zu, diese unorthodoxe Weihnachtskarte hat es uns mehr als nur angetan:Vor bald zehn Jahren haben wir sie mit der Post erhalten – total oldschool! Trotzdem erscheint sie uns nach wie vor als das Nonplusultra der Adventszeit.

Aus diesem Grund präsentiert igosana.ch das Werk bereits zum dritten Mal. Und wenn wir schon beim Wiederaufwärmen von Klassikern sind: Den hier brachten wir bereits 2011 – auch heuer noch freuen wir uns schelmisch darüber.

In diesem Sinne: Ein gesegnetes Fest auch Lieben!

Hansjakobs gescheiterte Karriere

Sie ist zwar etwas weniger abgedreht als jene über Zombies, doch auch die aktuelle «Carte Blanche» lässt ziemlich viel Spielraum für Interpretationen. Anders ausgedrückt: Was wollte uns Herr Koller mit diesem Text sagen?

Die Fabel vom traurigen Esel

Es war einmal ein Esel, der hiess Hansjakob und arbeitete beim Samichlaus. Oft war er traurig. Denn niemand interessierte sich für ihn. Esel waren out, das schleckte keine Geiss weg. Zudem bedrückte ihn, dass Zottel von der SVP seine Karriere beendet hatte. Der Zwerggeissbock genoss jetzt in trauter Zweisamkeit mit Partnerin Bienchen den Ruhestand. In seine Fussstapfen war der Berner Sennenhund Willy getreten – ein Plüschtier mit Facebook- und Twitteraccount.

Zottel hatte es hinter sich. Davon konnte Hansjakob nur träumen. Noch einige trostlose Jahre lagen vor ihm: Elf Monate lang war er jeweils arbeitslos, um sich dann in der Adventszeit abzuplacken. Doch so verhielt es sich neuerdings, das wusste der alte Esel: Über Jahre machst du deinen Job. Dann wirst du durch eine Arbeitskraft aus dem Ausland ersetzt – in seinem Fall durch ein Lama. Es übernahm die repräsentative Arbeit, er durfte den Mist machen.

So kam es, dass Hansjakob eine neue Herausforderung zu suchen begann. Er klopfte bei der SVP an und empfahl sich als Maskottchen, als echtes, aus Fleisch und Blut. Zwar sei er alt, doch das spiele offenbar keine Rolle, schliesslich habe bei ihnen ein 74-Jähriger das Sagen. Zudem kenne er sich in Sachen Überfremdung aus, sei ja selber ein Opfer der Masseneinwanderung. Doch das überzeugte die SVP nicht. Esel gebe es auch in EU-Staaten, liess man ihn wissen.

Nach der Absage klopfte Hansjakob bei der FDP an. Farblos sei er zwar nicht, aber immerhin grau. Das passe doch. Auch hier wollte aber niemand etwas wissen. Ein Esel mit weniger als einem PS gehöre nicht in eine Wirtschaftspartei. Den Sozialdemokraten wiederum war Hansjakob zu wenig Frau. Die CVP rümpfte die Nase, weil er nicht mehr mit seinen Kindern zusammenlebte und dadurch nicht ins Bild einer Familienpartei passte. Zu den Grünliberalen wollte er nicht, da Grün und Liberal seiner Meinung nach ein Widerspruch sind. Die Grünen wiederum waren tabu, weil man Grünzeug nach Ansicht eines Esels isst, nicht wählt.

Er gab auf, kehrte zurück zum Samichlaus – noch trauriger als zuvor. So wird er wohl oder übel noch lange mittrotten und trüb in die Welt blicken. Deshalb: Wenn Sie dieser Tage einen Esel sehen, seien Sie lieb. Es könnte Hansjakob sein, den die Politik so arg enttäuscht hat.

Willisauer Bote (WB), 5. Dezember 2014
© David Koller, 2014

Erwähnenswert erscheint uns ferner die Tatsache, dass Herrn Koller in der Advents- und Weihnachtszeit immer mal wieder Ideen für eigenartige Geschichten kommen. Etwa diese hier:

> Still leidet das Christkind (24.10.2010)
> Eine kleine Weihnachtsgeschichte (21.12.2008)

Die allerletzten Tage

Der ewige Student: Koller geht an die Uni.

Mit dieser Text-Bild-Kombination wurden die Leser von igosana.ch im November 2007 begrüsst. Damit kündigte David Koller an, dass er sich ein zweites Mal für ein Studium eingeschrieben hat.

Nun stimmt es uns schon ein bisschen wehmütig, dass diese Zeit in einer Woche vorbei sein soll. Dann nämlich absoviert Koller seine zweite Masterprüfung. Die erste legte er heute (Freitag, 13. Dezember) ab. Abgesehen davon, dass er einmal mehr feststellen musste, wie hochgradig feinmotorisch gestört er doch ist – der binnen vier Stunden von Hand zu verfassende politikwissenschaftliche Essay sah absolut scheusslich aus, ein regelrechtes kalligrafisches Massaker wars –, ist Herr Koller mit seinem Elaborat mehr oder weniger zufrieden.

In einer Woche sind dann mehr mündliche als schreiberische Fähigkeiten gefragt. Dann nämlich steht eine einstündige Diskussionsrunde über die Geschichte Jugoslawiens sowie der ukrainischen Nationalbewegung an.

Danach wird igosana.ch wieder weniger vernachlässigt und die andauernde Abkocherei abgelutschter Themen hat ein Ende. Versprochen!

Als kleines Trostpflaster haben wir heute – reichlich verspätet – unsere wunderbar kitschige Weihnachtsdekoration eingeschaltet.