Make America Dumb Again

«Morgengrauen – neu definiert», twitterte einer in den frühen Stunden des 9. Novembers. Er brachte es auf den Punkt. Europa erwachte und traute den Augen nicht. Auf der anderen Seit des Atlantiks wurde wahr, war hier niemand für möglich halten wollte: Donald Trump schickte sich an, Präsident der USA zu werden.

Jetzt ist es Fakt. Die Tolle zieht ins Weisse Haus und wir staunen. Weil das ganze dermassen surreal ist, kann man darüber eigentlich bloss lachen. Das wollen wir hier tun. Mit einigen gelungen Reminiszenzen zur Wahl des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

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Hier einige Reaktionen aus dem Ausland. Freundliche und weniger freundliche…

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In unserer «Kleinen Medienschelte» vom 6. September hielten wir fest, wir wollten nichts mehr von Donald Trump lesen, nichts mehr von Christoph Blocher und auch nichts mehr aus der «Weltwoche». Nun, wenn schon, dann richtig. Als logische Konsequenz folgt hier auch noch der Köppel. Einmal mehr treffend auf den Punkt gebracht vom grossartigen Ruedi Widmer.

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Kleine Medienschelte

Nachdem wir in letzter Zeit vor allem gelobt haben – insbesondere gute Bücher –, wollen wir nun endlich wieder einmal stänkern. Das tun wir mit einer Liste von zehn Dingen, auf die wir in den Medien gerne verzichten würden:

  1. Donald Trump
  2. Alles aus der «Weltwoche»
  3. Artikel, die mit dem Pronomen Ich beginnen
  4. Berichte über «Schweizer Promis», sprich Angestellte von SRF
  5. Artikel, die auf Vermutungen und unbestätigten Gerüchten aufbauen publiziert mit dem alleinigen Ziel, als erste über ein Ereignis zu berichten
  6. Mamis oder Papis, die nach der Geburt des ersten Kindes einen Wir-Eltern-Ratgeber-Blog aufschalten
  7. Zeitungsberichte über TV-Sendungen (Besonders beliebt: «Donnschtig-Jass» in lokalen Blättern, «Arena» in nationalen Medien)
  8. Undifferenzierte online-Kommentare selbsternannter «Islamexperten»  (Grundtenor: Muslim = Terrorist)
  9. Push-Nachrichten über irrelevante Ereignisse in der Stadt Zürich, zum Beispiel einen Stromausfall im Kreis 4
  10. Sämtliche Berichte über Kim Kardashian, Irina Beller, Gianni Infantino, Chris von Rohr oder Christoph Blocher. Wer sind die überhaupt?

Sepp Blatter? Echt jetzt?

345dc138f1Man mag es nicht glauben. Die «Weltwoche» ist doch tatsächlich der Meinung, FIFA-Devisenhändler Sepp Blatter sei Schweizer des Jahres.

Da reibt sich Unsereins irritiert die Augen. Neo-Nationalrat Köppel und seinen strammen Mannen ist offenbar wirklich  keine Idee zu dumm. Hauptsache, man tickt anders als der ach so verpönte Medienmainstream.

Einmal mehr hat der grandiose Karikaturist Ruedi Widmer diese himmelschreiende Absurdität treffend zu Blatt gebracht. So hat es sich wohl zugetragen. Einzige Abweichung von der Realität: in Wirklichkeit trugen alle Redaktionsmitglieder Edelweisshemden.

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Wir finden: Der dicke Nordkoreaner wäre vielleicht ebenfalls noch ein Kandidat gewesen, oder Horst Seehofer. Allenfalls auch Josef Stalin. Doch der lebt leider nicht mehr.

PS: Es geht noch irrer: Vladimir Putin plädiert für den Friedensnobelpreis für Blatter.

Fifi Superstar

Die Geschichte eines Bildes: Herr Kollers Erzeuger sind gerade daran, ihren Haushalt herauszumisten. Alles wird umgekrempelt, auch Fotokisten. Dabei stiessen sie auf ein interessantes Bild, entstanden irgendwann im Jahr 1996.

Es zeigt David Kollers ersten Hund Jumbo. Weder der Name des Tieres ist Zeichen für intellektuelle Höhenflüge, noch das Bildsujet. Zum Namen gilt verteidigend anzufügen, dass Koller elf oder zwölf Jahre alt war, als der kleine Kläffer in seinen Besitz kam. Zum Foto gibt es keine entlastenden Argumente. Sehr glücklich sieht der Protagonist auf jeden Fall nicht aus. Wenn wunderts: weder Lage noch Kleidung sind artgerecht:

Indes hat Jumbo eine beachtliche Karriere als Medien-Superstar hinter sich. So wurde just dieses Bild weiland in der «Weltwoche» abgebildet. Es muss irgendwann im Jahr 2001 gewesen sein – kurz nach der Neulancierung zum Magazin. Zu einer Zeit also, als das Blatt noch als cool galt und eine Rubrik besass, für die Leser Fotos einschicken konnten.

An den genauen Inhalt der Bildlegende erinnern wir uns nicht mehr. Wohl aber daran: Jumbo trat unter dem Pseudonym Fifi auf und wurde als stylisher Hund aus dem Luzerner Hinterland verkauft, der immer den neuesten Modetrends nachhechelte. Es war eine der ersten Einsendungen Kollers, die in einem Medium publiziert wurden. Mit etwas Pathos könnte man sagen: der schwebende Hund läutete den Anfang einer Karriere ein.

Damit nicht genug. In den «Willisauer Boten» – auch heute noch cool – schaffte es Fifi-Jumbo ebenfalls. Koller widmete ihm und anderen Kötern seiner Familie die allererste «Carte Blanche» nach dem Stellenwechsel von der Redaktion des «Seetaler Boten» in den Hauptort seiner angestammten Heimat:

Nicht geklont, aber bissig

Kinder und Tiere kommen an. Das haben die Einsendungen des WB-Fotowettbewerbs gezeigt. Kinder habe ich keine, darum schreibe ich über Tiere. Über Hunde, genauer gesagt. Und nicht über meine, sondern jene meiner Eltern, um noch genauer zu sein.

Wir hatten also mal einen Hund, der hiess Jumbo, war etwas grösser als eine Katze und ziemlich muskulös. Jumbo war wahrscheinlich der am schlechtesten erzogene Hund der Welt – ich habe ihn erzogen. Zu seinen katastrophalen Manieren gesellte sich ein ebenso legendärer Geschlechtstrieb. Wäre Jumbo ein Mensch gewesen, er hätte in Pornos mitgewirkt. Es kam nicht selten vor, dass ich als Primarschüler den hechelnden Gesellen irgendwo in Nebikon und Umgebung bei einer seiner Gespielinnen abholen musste.

Nach dem nimmersatten Jumbo kam Bubu. Der war auch kaum grösser als eine Katze, mochte solche aber überhaupt nicht.

Jumbo und Bubu haben längst abgelebt. Jumbo stellt jetzt wohl im Hundehimmel hübschen Damen nach, Bubu – zu Lebzeiten durch einem veterinärmedizinischen Kunstgriff seiner Männlichkeit beraubt – wird auch in den ewigen Jagdgründen aggressiv kläffend Katzen nachhetzen.

Kommen wir nun zu den Lebenden, zur Nummer drei: Dolly. Sie trägt den Namen des ersten geklonten und mittlerweile wegen Konstruktionsfehlern eingeschläferten Säugetiers. Die Namensverwandtschaft ist nicht von ungefähr. Unsere Dolly sieht aus wie ein Schaf; allerdings wie ein kleines, denn auch sie ist ähnlich zierlich wie ihre Vorgänger Bubu und Jumbo.

Sie sieht aus wie ein blökender Paarhufer und ist dabei der sprichwörtliche Wolf im Schafspelz. Denn die 12-jährige Dame – umgerechnet immerhin 84 Menschenlenze – mag keine Artgenossen. Für ihr Alter stürzt sie sich immer noch mit einer bemerkenswerten Energie auf alles, was irgendwie nach Hund aussieht, ob Chihuahua oder Rottweiler. Vielleicht liegt diese Kratzbürstigkeit daran, dass auch ihr ein Tierarzt die Libido geraubt hat; vielleicht daran, dass unsere Vierbeiner offensichtlich einen Knacks haben müssen. Soll mir jetzt keiner kommen, Hunde würden sich immer ihren Besitzern anpassen.

Willisauer Bote (WB), 18. August 2006
© David Koller, 2006